OP-Roboter und implantierte Chips – kommt Technik auch gegen die Bürokratie in der Pflege an?

„Maßgeschneiderte Arzneimittel, implantierte Mikrochips oder Operations-Roboter“ – Es klingt wie in einem Science-Fiction Film, was ein Berliner Lobbyisten Verband diese Woche schreibt. Fest steht, Technik ist aus der Arztpraxis wie dem Krankenhaus nicht mehr wegzudenken. „Digitale Technologien werden die Medizin und die Gesundheitswirtschaft in den nächsten zehn Jahren nachhaltig verändern“, glaubt der Verband und stößt damit sicher nicht auf Widerspruch. Nach Ansicht der 102 befragten Geschäftsführer und Vorstände von Pharmaunternehmen wird Telemedizin in der nächsten Dekade eine wichtige Rolle spiele. Der Arzt ist dann nur noch ein Telefonat oder Skype Gespräch entfernt. Auch soll eine verbesserte Auswertung und Verknüpfung von Daten dabei helfen, Therapien passgenau auf den Patienten zu zuschneiden. „Heute bekommen Patienten meist Medikamente von der Stange. In Zukunft werden sie mit maßgeschneiderten Arzneimitteln behandelt“, meint der Verband.

Mehr Zeit für uns statt für Anträge.

Das klingt vielversprechend und hoffnungsvoll. Allerdings frage ich mich auch, zu wie viel menschlicher Nähe und zu wie wenig Papierkram uns Computersystem verhelfen können. Wenn ich sehe, wie hoch der Dokumentationsaufwand für Michael, den Pfleger meine Oma ist, schaue ich schon viel zulange resigniert zu. Noch immer muss er laut Pflegegesetz seine Arbeit in Minuten einteilen und dokumentieren. Für 2017 verspricht das Pflegestärkungsgesetz II neue Umgangsformen – ohne Minutentakt und mit fünf Pflegegraden statt den alten drei Pflegestufen.

Wir malen uns gerne die Zukunft mit neuen Technologien aus. Wir sprechen von Operations-Robotern und implantierten Chips. Doch ist das alles, was wir im Gesundheitswesen benötigen? Laut der Nürnberger Agentur für Arbeit fehlen mehr als 40.000 Pfleger in Deutschland. Gleichzeitig haben wir es noch nicht geschafft, einfache Protokoll- und Verwaltungsprozesse zu digitalisieren, um mehr Zeit für das menschliche Miteinander zu schaffen. Noch immer müssen wir als Familie Hausnotrufsysteme, Blutzuckermessgeräte und elektrische Umblätterhilfen beantragen und anschließend noch mal papierbasiert um die Erstattung bitten – nach dem die Pflegestufe längst bewilligt worden ist. Schon oft habe ich mir vorgerechnet, wie viel Zeit das meiner Familie Monat für Monat kostet. Können wir diese Zeit nicht besser mit Oma selbst verbringen?