Nichts fördert das Kreative mehr als die Liebe – auch in der Pflege?

Als Erich Fromm meinte, „Nichts fördert das Kreative mehr als die Liebe, vorausgesetzt, sie ist echt“, hat er sicher nicht an den Pflegeberuf gedacht. Und doch gehen wir in der deutschen Solidargemeinschaft stark davon aus, dass beim Thema Pflege viel Liebe im Spiel ist. Warum pflegen Angehörige sonst ihren Partner oder ihre Eltern? Wie schaffen es 1, 3 Millionen Deutsche, Beruf, Pflege und das eigene Familienleben miteinander zu vereinbaren? Warum gehen gut ausgebildete Kräfte für 15 Euro brutto die Stunde für einen ambulanten Pflegedienst arbeiten? Das alles sind keine reinen wirtschaftlichen Überlegungen.

Liebe spielt eine Rolle. Doch wenn laut Statista mehr als zwei Drittel aller pflegenden Angehörigen körperlich und/oder psychisch überlastet sind, wird die Liebe zur persönlichen Zerreißprobe. Gedanken an Kreativität rücken in den Hintergrund. Dabei sagte mir kürzlich Stefanie Hanek, examinierte Pflegerin und Studentin im Fach Public Health, dass Pflege ein „sehr kreativer Beruf“ sei. Ein Gedanke, der für Laien weit weg zu sein scheint. Doch je länger ich darüber nachdenke, je mehr trifft das Kreative den Kern einer guten Pflege. Jeder, der sich um einen pflegebedürftigen Menschen kümmert, findet komplexe Lösungen innerhalb einer Wohnform, eines Krankheitsbildes, der Tagesform und der vielen weiteren Dimensionen in der Pflege. Die Minutentaktung und –abrechnung hat uns das Bild einer Fließbandarbeit suggeriert. Alles Kreative, aller Freiraum und alles Liebevolle ist damit aus der Pflege raus. Wie bekommen wir die menschliche Komponente zurück in den Generationenvertrag?