Keine Panik: PSG II kommt und bringt mehr (nicht weniger) Leistung

In 65 Tagen tritt das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft:

  • Aus den drei Pflegestufen werden fünf Pflegegrade.
  • Die ambulante Pflege wird gestärkt.
  • Es kommen mehr als fünf Milliarden Euro mehr in den Pflegemarkt.

Soweit die zentralen Eckpunkte. Was im Detail dahinter steckt, wissen viele Familien nicht wirklich. Auch haben pflegende Angehörige wenig Zeit und Muße, die Gesetzestexte zu wälzen. Eine Abkürzung bieten mediale Ratgeber. Doch zwei Monate bevor das PSG II, wie es kurz heißt, in Kraft tritt, mehreren sich die Warnmeldung: Altersarmut. Unbezahlbare Heime. Noch schnell Anträge stellen, um noch etwas abzubekommen:

Was stimmt, ist, dass die staatliche Förderung aus den Heimen, die aktuell einen Leerstand von 13 Prozent zählen (Quelle: Statista), gekürzt wird. Denn es werden im gleichen Maße Gelder in die ambulante Pflege abgezogen. Hier folgt der Gesetzgeber dem übergroßen Wunsch der Senioren, lange und selbstbestimmt zu Hause zu leben. Deutsche Seniorenliga e.V. glaubt auch, dass die eigenen vier Wände der Schlüssel zu einem glücklichen Lebensabend sind:

Immer mehr Menschen leben auch im hohen Alter in ihrer eigenen Wohnung bzw. in ihrem Haus. Das hält jung! Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass eine Rundum-Versorgung, wie es sie in Einrichtungen des betreuten Wohnens oder in Heimen gibt, Menschen eher „bequem“ und unselbstständig macht.

 

Was auch stimmt, ist, dass Pflegebedürftige, die aktuell eine Pflegestufe haben, automatisch in einen leistungstechnisch mindestens gleichwertigen Pflegegrad übergehen. Dafür ist nichts zu tun. Zudem kommt die Pflegekasse mit den Pflegegraden den Bedürfnissen von Demenzpatienten deutlich besser nach. Einen Grund zum schnellen Handeln vor dem Jahreswechsel konnte ich deshalb bisher nicht ausmachen. Was aber gilt ist Folgendes:

  • Lebensqualität in der Pflege ist aktuell nur möglich, wenn die Angehörigen mitdenken und mithelfen – am besten vor Ort.
  • Die neue Pflege macht alles teurer – und zwar für die Generationen, die in die Pflegekasse einzahlen.
  • Heime müssen umdenken und sich mit ihren Pflegekräften auch auf ambulante Dienstleistungen spezialisieren.