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    Was haben der CSD Berlin und New Work in der Pflege gemeinsam?

    09. August 2022 von Alissa Dovgucic

    Alt gilt gemeinhin eher weniger als sexy. Wer hätte das also gedacht: Auf dem Christopher Street Day (#CSD) in Berlin hat das Los dem Wagen für “Sichtbarkeit und Sicherheit im Alter und in der Pflege“ von Lindera und RuT die Startnummer 15 zugewiesen. Bei mehr als 90 Trucks war das Freude und Überraschung zugleich – und ein starkes Zeichen des CSD: Erstmals haben wir die Themen Diversität, Teilhabe und Inklusion im Alter und in der Pflege auf dem CSD platziert. Und das ganz weit vorne auf der wohl größten, buntesten und vielfältigsten Demonstration und im Zeichen von Toleranz, Liebe und Unterstützung. Weshalb diese Sichtbarkeit auch für die anstehenden, strukturellen Veränderungen in der Pflege wichtig ist und auf New Work im Gesundheitswesen einzahlen, darauf möchten wir in diesem Blogpost eingehen. 

    Der CSD in Berlin: Zum aller ersten Mal konnten wir damit einen Anlaufpunkt für Pflegekräfte und all jene schaffen, die sich aktiv mit den Themen Sichtbarkeit von Sexualität im Alter und Inklusion in der Pflege beschäftigen. Zusammen mit dem Berliner Verein RuT – Rad und Tat, ihrer Projektleiterin Jutta Brambach, sowie mit Senior*innen und ihren Betreuungskräften sind wir mehr als acht Kilometer von der Leipziger Straße ans Brandenburger Tor gezogen, haben gefeiert und getanzt – das sogar weitestgehend barrierefrei. 
      
    Auf unserem Wagen Nummer 15 haben wir Teilhabe vorgelebt: Zusammen mit Jung und Alt haben wir sehr offen und inspirierend über die diversen Bedürfnisse im hohen Alter gesprochen – und über die Diskriminierung, Ablehnung und das Absprechen von Teilhabe aufgrund einer anderen sexuellen Orientierung, Ethnizität oder krankheitsbedingten Einschränkung im Alter.

    Queer-sensible Versorgung im Alter und New Work in der Pflege 

    Allein in Deutschland leben etwa eine Millionen Menschen über 65 Jahre, die sich als LGBTQIA+ identifizieren und in den nächsten Jahren auf eine altersgerechte Unterstützung in der Versorgung angewiesen sein werden. Viele von ihnen verbindet die gemeinsame Erfahrung von Ablehnung, Ausgrenzung, Diskriminierung oder Gewalt. Betroffene benötigen einen rücksichtsvollen Umgang, der stärker in die Betreuung und Versorgung queerer Menschen eingebunden werden muss – besonders in der Pflege, die ein hohes Maß an Vertrauen voraussetzt. Dafür braucht es einen queer-sensiblen Ansatz. 

    Dabei ist es sowohl für die Pflegebedürftigen als auch die Pflegenden von Bedeutung, Aufklärung und Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse queerer Menschen zu schaffen. Queere Senior*innen haben sich längst eine digitale Community aufgebaut, bei der sie Erfahrungen, Rat und Tat teilen – sich online wie offline für Toleranz, Sichtbarkeit und Akzeptanz stark machen und Stigma aufbrechen. Der gleichnamige Berliner Verein RuT ist dabei ein herausragendes Beispiel: Als einer der ältesten lesbischen Vereine in Berlin hat RuT sich eine große Reichweite aufgebaut und verschafft lesbischen Seniorinnen seit mehr als 33 Jahren Gehör und Sichtbarkeit für mehr Toleranz. 

    Doch was hat Diversität und Inklusion mit New Work in der Pflege zutun? 

    Die Generation der Silver Surfer hat eine weitere Hürde zu meistern. Das Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit, (digitaler) Teilhabe und anhaltender Mobilität.  Diese Ansprüche werden in vielen altersgerechten Wohnformen leider zu oft vergessen – oder einfach nicht berücksichtigt. Dieser Art der Teilhabe ist bis dato mehrheitlich auf Personen der Altersspanne von 14 bis 54 Jahren beschränkt.  

    Ebenso, wie wir unserer älteren Generation die digitale Teilhabe absprechen, tun wir dies für den Pflegesektor. Dabei werden ausgerechnet hier neue, zeitgemäße Arbeits- und Versorgungsstrukturen dringend benötigt – und von pflegenden Angehörigen, Pflegebedürftigen und Pflegekräften gewünscht, sogar aktiv eingefordert. Wir sprechen hier von dem Rückgrat unserer alternden Gesellschaft – und von Menschen, die uns ein Stück Lebensqualität im Alter ermöglichen wollen. Es ist demnach unsere Verantwortung und Pflicht, im Zuge einer digitalen Transformation die bestmögliche Gesundheitsversorgung sicherzustellen und dem Pflegeberuf zu neuer Attraktivität zu verhelfen, Talente zu halten und Nachwuchskräfte zu gewinnen.  

    Neues Arbeiten in der Pflege: Eine Umfrage unter Pflegekräften deckt Forderungen an New Work auf 

    Eine höhere Vergütung allein wird unsere Pflege nicht retten. Das zeigte unser Besuch im April auf der Leitmesse der Pflege, der ALTENPFLEGE in Essen sehr eindrucksvoll. Gemeinsam mit dem Vincentz Verlag haben wir Fachkräfte vor Ort zum Thema Attraktivität des Pflegeberufs und ihren Wünschen für ein besseres Arbeiten in der Pflege befragt: 

    1. Eine Mehrheit von 71 Prozent glaubt nicht daran, dass eine bessere Vergütung allein reicht, um genügend Pflegekräfte für die Altenpflege gewinnen zu können.
    2. 74 Prozent der befragten Pflegekräfte setzen auf die Digitalisierung zur Entlastung von Routine- und Administrationsprozessen, die sich wiederum positiv auf das Image der Pflege auswirken.
    3. 63 Prozent der Teilnehmenden wünschen sich zeitgemäße Arbeitsabläufe, weniger Hierarchie und eine moderne Teamorganisation.
    4. Weitere 55 Prozent setzen auf veränderte Rahmenbedingungen, die es Pflegekräften ermöglichen, ihre Aufgaben im Sinne der Bezugspflege wirklich erfüllen zu können.
    5. Führungskräfte, die empathisch und klar in ihrer Wirkungsrichtung sind und Mitarbeitenden Orientierung geben, sind für 45 Prozent der befragten Fachkräfte ausschlaggebend für das zukünftige Arbeiten in der Pflege. 
    Erste Schritte für digitale Teilhabe, Diversität und Neues Arbeiten in der Pflege sind gesetzt 

    Auf dem CSD sind wir Hand in Hand mit Jung und Alt gemeinsam durch die Berliner Innenstadt gerollt und haben Inklusion, Teilhabe und Sichtbarkeit von Diversität im Alter (vor)gelebt. Sinnbildlich haben wir unseren gemeinsamen Weg aber gerade erst begonnen, indem wir uns über den Fachkräftemangel, die chronische Erschöpfung und die mangelnde Sichtbarkeit, die die Pflege über das letzte Jahrzehnt erleben musste, immer weiter erheben und alte Strukturen aufbrechen. Mit alledem, was wir tagtäglich bei Lindera leisten, bemühen wir uns, die Bildung neuer Versorgungsstrukturen in der Pflege zu begünstigen und Platz für Neues Arbeiten und Diversität in der Pflege zu schaffen, die auch auf ein besseres Teamwork einzahlen. Digitale Teilhabe ist dabei ein wesentlicher Hebel, für den wir bereits heute zukunftsweisende Schritte gesetzt haben. Dafür arbeiten wir mit namhaften Partnern wie Korian Deutschland, Alloheim Residenzen und MEDIFOX DAN zusammen, die unsere Mission für eine bessere, inklusive und humanere Pflege von morgen teilen.

    Weitere Beiträge zu diesem Thema:

    New Work in der Pflege – Was ist das eigentlich?
    Lindera und RuT gehen gemeinsam auf den Christopher Street Day in Berlin

    Was Kunden sagen

    Gerade wenn Menschen älter werden, erhöht sich das Risiko für Stürze. Wir kooperieren in acht Bundesländern, um mit der Lindera SturzApp die komplexen Gangbewegungen zu analysieren und mit Hilfe Künstlicher Intelligenz das individuelle Sturzrisiko der Senior*innen zu ermitteln.

    Andrea Schneider, Leiterin der Pflegekasse bei der KKH

    Mit der Integration der Lindera Mobilitätsanalyse in unsere myneva.heimbas Pflegesoftware ermöglichen wir Pflegekräften, die Analyse einfach und schnell zu dokumentieren und damit ihren Arbeitsalltag zu optimieren.

    Dr. Hartmut Clausen, Geschäftsführer der myneva

    Künstliche Intelligenz im Pflegealltag: Indem wir die Lindera Mobilitätsanalyse in unser System integrieren, öffnen wir unsere Plattform für Innovationen und verankern gleichzeitig eine konkrete Prozessverbesserung in den Einrichtungen.

    Iris Christiansen, Geschäftsführerin DAN Produkte

    Digitalisierung in der Pflege bedeutet die dadurch veränderten analogen Strukturen zwingend mitzudenken, gerade in organisierter stationärer Pflege. Bei der Evaluation des Lindera-Mobilitätsmanagements in stationären Pflegeeinrichtungen gilt es daher den „dyadischen“ Nutzen für Pflegende und Gepflegte in den Blick zu nehmen. Unsere Erwartung ist hier, pflegerischen Nutzen nachhaltig nachweisen zu können.

    Prof. Dr. habil. Jürgen Zerth, Institutsleitung Forschungsinstitut IDC

    Die Partnerschaft mit Lindera ist für uns ein Meilenstein auf dem Weg, den Pflegebedürftigen eine moderne, digitale Versorgung zu bieten. Mit Lindera gewinnen wir einen echten Vorsprung durch Technik für die mit uns kooperierenden Einrichtungen, Pflegekräfte und natürlich die Senior*innen.

    Dirk Lauenstein, Vorstand der Audi BKK

    Die KNAPPSCHAFT und Lindera bieten mit der SturzApp eine Möglichkeit, Sturzprävention auf der Basis neuer Technologien und Erkenntnisse zu ermöglichen. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um Mobilität und Lebensqualität unserer Versicherten zu erhalten oder zu verbessern.

    Bettina am Orde, Geschäftsführerin der KNAPPSCHAFT

    Wir sehen in Lindera einen innovativen Projektpartner mit dem wir einen gemeinsam Weg zur weiteren Digitalisierung für unsere Kunden gehen wollen.

    Dana Kadach, AOK Nordost – Die Gesundheitskasse, Pflege-Vertragsmanagement stationär

    Selbstbestimmung ist ein hohes Gut. Niemand ist gern abhängig. Und niemand möchte im Alter den eigenen Kindern zur Last fallen. Die Digitalisierung bietet uns die Chance, mit neuen Technologien und hoher Flexibilität unsere Selbstbestimmung länger zu erhalten. Die Perspektive muss sein, länger zu Hause leben zu können und sich dennoch sicher zu fühlen.

    Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, MdB

    Mit Lindera haben wir einen starken Partner an unserer Seite auf dem Weg in die digitale Pflege. Die Einführung der Lindera Mobilitätsanalyse erhöht die Service-Qualität für unsere Bewohnerinnen und Bewohner und erleichtert den Alltag unseres Pflegepersonals.

    Sascha Saßen, Leiter für Qualität und Ethik bei KORIAN Deutschland

    Die Maßnahmenplanung muss von der Bedarfsanalyse des Bewohners abgeleitet sein – das kann mit digitaler Unterstützung geschehen. Sie muss vor allem individuell, qualitätsgesichert und gemäß Expertenstandard aktuell sein.

    Kerstin Steinke, Leiterin Geschäftsbereich Pflege MDK Sachsen-Anhalt e.V.

    Wir erhoffen uns von Lindera ein validiertes und technisch unterstütztes Assessmentverfahren, welches in der Praxis von Senioren, Angehörigen und Pflegekräften einfach angewendet werden kann. Durch eine wissenschaftliche Begleitung der App soll dies gelingen

    Dr. Anika Heimann-Steinert, Charité Universitätsmedizin Berlin

    In der stärkeren Kooperation mit Social Entrepreneurs sehen wir als Caritas ein großes Potenzial, um gemeinsam die Herausforderungen im Sozial- und Gesundheitsbereich zu schultern und soziale Innovationen zu verbreiten. Unsere Zusammenarbeit mit der Lindera GmbH mit ihrer innovativen Mobilitätsanalyse ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.

    Sebastian Koppers, Geschäftsführer Caritas Münster