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    Digitale Pflegeanwendungen starten jetzt! Ein Guide für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen

    12. Dezember 2022 von Alissa Dovgucic

    Mit den Digitalen Pflegeanwendungen (DiPA) hält 2023 eine neue Klasse von Hilfsmitteln Einzug in die häusliche Pflege. Die Apps und browserbasierten Anwendungen stärken die Versorgung der Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld und können Angehörige in der Versorgung entlasten. Eine wertvolle Chance, um für Pflegebedürftige eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten – ganz einfach digital und im häuslichen Umfeld zugänglich. In diesem Beitrag beantworten wir Ihnen die wichtigsten Fragen rundum digitale Pflegeanwendungen: Was genau können Sie sich unter digitalen Hilfsmitteln vorstellen? Wie läuft die Kostenerstattung ab und welche Vorteile bringen DiPA für Pflegebedürftige, ihre Familien und das Gesundheitssystem?

    1. Was ist unter einer Digitalen Pflegeanwendung zu verstehen?
    2. Warum digital?
    3. Welche Vorteile bieten Digitale Pflegeanwendungen?
    4. Wie funktioniert die Kostenerstattung für Digitale Pflegeanwendungen?
    5. Was bedeuten Digitale Pflegeanwendungen für Pflegebedürftige und ihre Familien?
    6. Was ist die Rolle ambulanter Pflegedienste bei der Nutzung von DiPA?

    Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter Senior*innen ab 60 Jahren aus dem Jahr 2021 zeigt, dass mit 94 Prozent eine deutliche Mehrheit der Befragten mit Wohneigentum, so lange wie möglich zuhause leben möchte. Nur drei Prozent können sich mit dem Gedanken anfreunden, in ein Seniorenheim umzuziehen. Der häufigste Grund für die Zurückhaltung: Die Befragten im Rentenalter erhoffen sich durch den Verbleib in der Häuslichkeit einen höheren Grad an Selbstbestimmung1.

    Die eigene Pflegebedürftigkeit und die praktischen Hürden im Pflegealltag standen solchen Wünschen in der Vergangenheit oftmals im Wege. Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen fehlten praktische Ansätze, wie sie die häusliche Pflegesituation stabilisieren und verbessern können. Je nach Lebenssituation gibt es konkrete Schritte, die das Wohlbefinden und die Gesundheit auch mit Pflegegrad– zu verbessern. Genau an dieser Stelle kommen DiPA (digitale Pflegeanwendungen) ins Spiel. Sie wirken einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit entgegen, mindern Beeinträchtigungen der Betroffenen und erhöhen damit ihre Selbständigkeit. 

    Was ist unter einer Digitalen Pflegeanwendung zu verstehen?  

    DiPA ist ein Überbegriff für alle durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassenen Apps und browserbasierte Webanwendungen für die Pflege. Solche digitalen Applikationen können sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Je nachdem, welche pflegerelevanten Ziele mit einer DiPA erreicht werden sollen, gestaltet sich auch deren Anwendungsfall und die Bedienung. 

    Warum digital? 

    Mithilfe digitaler Anwendungen ist die Verbesserung der eigenen häuslichen Pflegesituation auf vielseitige Weise möglich. Apps und Computersysteme werden dabei für die Stabilisierung und Verbesserung pflegespezifischer Probleme konzipiert – so beispielsweise für das im Alter erhöhte Sturzrisiko. DiPA funktionieren auf allen gängigen Smartphones und Tablets oder lassen sich auch als webbasierte Browseranwendungen nutzen. Dies ermöglicht ihre unkomplizierte und flächendeckende Nutzung. 

    Das Wissen über digitale Pflegeanwendungen und ihr gesellschaftliches Potenzial sind bisher noch wenig verbreitet. Dabei bringt der Einsatz der pflegespezifischen Software konkrete Vorteile für die Pflege. 

    Im Zentrum steht immer die Gewährleistung der bestmöglichen Versorgung: individuell, wirksam und qualitätsgesichert. Der gesundheitliche Zustand und das Wohlbefinden pflegebedürftiger Personen sollen nachhaltig und bestenfalls nachvollziehbar gefördert und erhalten werden. 

    Digitale Pflegeanwendungen sind nicht mit gewöhnlichen Apps oder Webanwendungen gleichzusetzen. DiPA werden explizit zur Unterstützung pflegebedürftiger Personen entwickelt und durch BfArM auf ihre Funktion, Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen hin überprüft – ähnlich wie bei Medikamenten, die in Apotheken erhältlich sind.  

    Welche Vorteile bieten Digitale Pflegeanwendungen? 

    • Teilhabe: Pflegebedürftige Personen werden durch die Nutzung von DiPA aktiv in die Gestaltung ihrer Pflegesituation mit einbezogen. Durch die Nutzung der DiPA lernen sie ihre Pflegesituation besser kennen. 
    • Zugänglichkeit: DiPA lassen sich mobil unabhängig von Ort und Zeit einsetzen.  
    • Transparenz: DiPA stellen Informationen zu Anwendungsprozessen und deren Ergebnissen nachvollziehbar für die Nutzer*innen bereit.  

    Digitale Anwendungen ersetzen keine zwischenmenschlichen Kontakte. Stattdessen leisten sie konkrete Abhilfe für bestehende Probleme und unterstützen eine zielgerichtete Pflege. In Anbetracht des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels in der Pflege sind DiPA eine wertvolle Initiative mit großem Zukunftspotenzial. Erkenntnisse aus DiPA können außerdem eine gute Grundlage für eine Vernetzung mit Gesundheitsdienstleistern sein.  

    Wie funktioniert die Kostenerstattung für Digitale Pflegeanwendungen?  

    Pflegebedürftige Personen haben einen Anspruch auf die Erstattung der Kosten digitaler Pflegeanwendungen bis zu einer Höhe von 50 Euro pro Monat. Leider ist der Erstattungsprozess derzeit noch so reguliert, dass die Kosten für die DiPA zunächst von der pflegebedürftigen Person zu begleichen sind und erst nachträglich durch die Pflegekasse erstattet werden. Dass DiPA-Nutzer*innen finanziell in Vorleistung gehen müssen, liegt nicht im Interesse der Hersteller. Für uns ist vielmehr wichtig, dass der bürokratische Aufwand für die Nutzer*innen so gering wie möglich ist. 

    Als DiPA-Hersteller sehen wir dabei nicht nur den Prozess der Erstattung, sondern auch die Obergrenze von 50 Euro kritisch. Der maximale Erstattungsbetrag von 50 Euro schließt nicht nur den Preis der DiPA ein, sondern beinhaltet auch ergänzende Unterstützungsleistungen. Diese fallen an, wenn Pflegebedürftige oder pflegende Angehörige Unterstützung bei der Anwendung durch Dritte, wie zum Beispiel Pflegekräfte, benötigen. DiPA sind nach unserer Einschätzung ein essenzieller Bestandteil einer zukunftsgerichteten Pflege und eigenständigen Versorgung. Doch vor allem ältere Menschen, die bislang weniger Kontakt zu digitalen Anwendungen aller Art hatten, sind auf Unterstützung angewiesen, um den Umgang mit digitalen Pflegeanwendungen zu lernen. Bei der bestehenden Erstattungsstruktur wird das Budget der Pflegebedürftigen in den meisten Fällen mit dem Einsatz einer einzigen DiPA erschöpft sein – und folglich auch die Versorgung auf diese eine Anwendung begrenzt bleiben. 

    Was bedeuten Digitale Pflegeanwendungen für Pflegebedürftige und ihre Familien? 

    DiPA bieten Zugang zu einer modernen Versorgung für Pflegebedürftige und ihre Familien. Sie sind außerdem darauf ausgelegt, den Verbleib im eigenen Umfeld zu unterstützen – für viele Pflegebedürftige ist das sehr wichtig. Um diesen Wunsch erfüllen zu können, übernehmen oftmals Angehörige die Pflege. 

    Pflegende Angehörige sind nicht selten einer emotionalen, zeitlichen und auch finanziellen Belastung ausgesetzt. Für jüngere Angehörige und Berufstätige steckt die Herausforderung in der Vereinbarkeit von Beruf und der häuslichen Pflege ihrer Verwandten. Bei älteren Personen, die ihren Partner oder die Partnerin pflegen, ist der eigene Mobilitätsabbau das Problem. Unsicherheiten sind in beiden Fällen keine Seltenheit. Es ist nicht immer klar, welches die besten Behandlungsansätze für das pflegebedürftige Familienmitglied sind. 

    Digitale Hilfsmittel schaffen in diesen Fällen auch für die Angehörigen Abhilfe. Sie erleichtern Familienangehörigen die individuelle Versorgung und unterstützen sie dabei, ihre Pflege nach Qualitätsrichtlinien zu gestalten.   

    Was ist die Rolle ambulanter Pflegedienste bei der Nutzung von DiPA? 

    Ambulante Pflegedienste sind ein direkter Ansprechpartner für Pflegebedürftige und ihre Familien – auch was die Nutzung digitaler Hilfsmittel betrifft. Um eine passgenaue Versorgung in der häuslichen Umgebung sicherzustellen, sind Pflegekräfte gefragt, über die Vorteile und Nutzung von DiPA aufzuklären. Diese Leistung der ambulanten Pflegedienste lässt sich über die ergänzenden Unterstützungsleistung abrechnen. Der Mehraufwand für die Pflegedienste wird also entlohnt.  

    Viele Pflegedienste arbeiten bereits daran, ihre digitale Infrastruktur aufzubauen. Als Kooperationspartner unterstützt Lindera Pflegekräfte bei der Aufklärung, Vorbereitung und Einführung der Lindera Mobilitätsanalyse per App. In der stationären Pflege zählt Lindera bereits mehr als 500 Partner*innen – und auch in der ambulanten Pflege steigt die Zahl der Pilotprojekte. So weitet der führende Träger KORIAN seine Zusammenarbeit mit Lindera – bisher dato auf die stationäre Pflege beschränkt – seit Juli 2022 auch in der ambulanten Pflege aus. Für KORIAN steht fest, dass Digitale Pflegeanwendungen die ambulante Pflege nachhaltig zum Positiven verändern werden – und sie wollen vorbereitet sein.  

    Mit DiPA rückt auch ein neues Bild der Versorgung in der häuslichen Pflege in den Vordergrund. Technologien ermöglichen ein Monitoring pflegerelevanter Entwicklungen und beziehen Pflegebedürftige aktiv in die Pflege ein. So verhält es sich beispielsweise mit der Mobilitätsanalyse von Lindera. Mit dem Ziel Sturzrisiken von Senior*innen zu reduzieren und die Mobilität von Pflegebedürftigen zu erhalten, bezieht Lindera die Anwender*innen direkt in die Analyse und Auswertung mit ein. Dank der Kombination aus Videoanalyse und Fragebogen erhalten die Senior*innen ein nachvollziehbares Bild ihres bisherigen Fortschritts – das fördert die Selbständigkeit und erhält das Vertrauen in die eigene Mobilität nachhaltig.  

    1 YouGov: YouGov | What the world thinks, Über die Umfrage, worauf Senior*innen beim Wohnen im Alter besonders viel Wert legen: Wohnen im Alter: Darauf legen Senioren besonders wert – Hamburger Abendblatt 

    Mehr zum Thema lesen: 

    Das denken Pflegekräfte von der Zukunft ihres Berufsbildes

    New Work in der Pflege – Was ist das eigentlich?

    Was Kunden sagen

    Gerade wenn Menschen älter werden, erhöht sich das Risiko für Stürze. Wir kooperieren in 12 Bundesländern, um mit der Lindera SturzApp die komplexen Gangbewegungen zu analysieren und mit Hilfe Künstlicher Intelligenz das individuelle Sturzrisiko der Senior*innen zu ermitteln.

    Herr Thies Lippels, Leiter der Pflegekasse bei der KKH

    Mit der Integration der Lindera Mobilitätsanalyse in unsere myneva.heimbas Pflegesoftware ermöglichen wir Pflegekräften, die Analyse einfach und schnell zu dokumentieren und damit ihren Arbeitsalltag zu optimieren.

    Dr. Hartmut Clausen, Geschäftsführer der myneva

    Künstliche Intelligenz im Pflegealltag: Indem wir die Lindera Mobilitätsanalyse in unser System integrieren, öffnen wir unsere Plattform für Innovationen und verankern gleichzeitig eine konkrete Prozessverbesserung in den Einrichtungen.

    Iris Christiansen, Geschäftsführerin DAN Produkte

    Digitalisierung in der Pflege bedeutet die dadurch veränderten analogen Strukturen zwingend mitzudenken, gerade in organisierter stationärer Pflege. Bei der Evaluation des Lindera-Mobilitätsmanagements in stationären Pflegeeinrichtungen gilt es daher den „dyadischen“ Nutzen für Pflegende und Gepflegte in den Blick zu nehmen. Unsere Erwartung ist hier, pflegerischen Nutzen nachhaltig nachweisen zu können.

    Prof. Dr. habil. Jürgen Zerth, Institutsleitung Forschungsinstitut IDC

    Die Partnerschaft mit Lindera ist für uns ein Meilenstein auf dem Weg, den Pflegebedürftigen eine moderne, digitale Versorgung zu bieten. Mit Lindera gewinnen wir einen echten Vorsprung durch Technik für die mit uns kooperierenden Einrichtungen, Pflegekräfte und natürlich die Senior*innen.

    Dirk Lauenstein, Vorstand der Audi BKK

    Die KNAPPSCHAFT und Lindera bieten mit der SturzApp eine Möglichkeit, Sturzprävention auf der Basis neuer Technologien und Erkenntnisse zu ermöglichen. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um Mobilität und Lebensqualität unserer Versicherten zu erhalten oder zu verbessern.

    Bettina am Orde, Geschäftsführerin der KNAPPSCHAFT

    Wir sehen in Lindera einen innovativen Projektpartner mit dem wir einen gemeinsam Weg zur weiteren Digitalisierung für unsere Kunden gehen wollen.

    Dana Kadach, AOK Nordost – Die Gesundheitskasse, Pflege-Vertragsmanagement stationär

    Selbstbestimmung ist ein hohes Gut. Niemand ist gern abhängig. Und niemand möchte im Alter den eigenen Kindern zur Last fallen. Die Digitalisierung bietet uns die Chance, mit neuen Technologien und hoher Flexibilität unsere Selbstbestimmung länger zu erhalten. Die Perspektive muss sein, länger zu Hause leben zu können und sich dennoch sicher zu fühlen.

    Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, MdB

    Mit Lindera haben wir einen starken Partner an unserer Seite auf dem Weg in die digitale Pflege. Die Einführung der Lindera Mobilitätsanalyse erhöht die Service-Qualität für unsere Bewohnerinnen und Bewohner und erleichtert den Alltag unseres Pflegepersonals.

    Sascha Saßen, Leiter für Qualität und Ethik bei KORIAN Deutschland

    Die Maßnahmenplanung muss von der Bedarfsanalyse des Bewohners abgeleitet sein – das kann mit digitaler Unterstützung geschehen. Sie muss vor allem individuell, qualitätsgesichert und gemäß Expertenstandard aktuell sein.

    Kerstin Steinke, Leiterin Geschäftsbereich Pflege MDK Sachsen-Anhalt e.V.

    Wir erhoffen uns von Lindera ein validiertes und technisch unterstütztes Assessmentverfahren, welches in der Praxis von Senioren, Angehörigen und Pflegekräften einfach angewendet werden kann. Durch eine wissenschaftliche Begleitung der App soll dies gelingen

    Dr. Anika Heimann-Steinert, Charité Universitätsmedizin Berlin

    In der stärkeren Kooperation mit Social Entrepreneurs sehen wir als Caritas ein großes Potenzial, um gemeinsam die Herausforderungen im Sozial- und Gesundheitsbereich zu schultern und soziale Innovationen zu verbreiten. Unsere Zusammenarbeit mit der Lindera GmbH mit ihrer innovativen Mobilitätsanalyse ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.

    Sebastian Koppers, Geschäftsführer Caritas Münster