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    Qualitätsmanagement in der Pflege verstehen: Die grundlegende Bedeutung von Donabedian für die Pflegequalität

    24. August 2022 von Alissa Dovgucic
    1. Was bedeutet Qualitätsmanagement in der Pflege? 
    2. Die Ziele des Qualitätsmanagements in der Pflege
    3. Der theoretische Standard: Qualitätsdimensionen im Qualitätsmanagement 
    4. Qualitätsdimensionen in der Pflegepraxis 
    5. Beispiel: Qualitätsmanagement in der Pflege mit der Lindera Mobilitätsanalyse

    Pflege- und Betreuungsleistungen pflegebedürftiger Menschen müssen in einer Qualität erbracht werden, die die Menschenwürde sicherstellt und ein höchstmögliches Maß an Lebensqualität auch im Pflegefall erhält. Entscheidend dafür sind gute Rahmenbedingungen sowie ein gut ausgebildetes und engagiertes Pflegepersonal. Die Einrichtung eines Qualitätsmanagement-Systems in Pflegeeinrichtungen ist unablässig und nach §112 SGB XI rechtlich vorgeschrieben. Die Errichtung, Pflege und Optimierung eines solchen Systems bedeuten viel Aufwand und Verständnis der Strukturen, Qualitätsdimensionen und Prozesse. Fragen wie, was Qualität eigentlich ist und wozu sie in der Pflege dient, gilt es ebenso zu verstehen wie den Einfluss unterschiedlicher Dimensionen auf die Qualität der Pflegeleistungen. 

    Träger von Pflegeeinrichtungen sind verpflichtet, für die Qualität der Leistung der Einrichtungen zu sorgen und damit das Wohl der Patient*innen, Pflegebedürftigen und der Bewohner*innen zu garantieren. Die Sicherung und Weiterentwicklung des Systems ist ebenso essenziell und fällt ebenfalls in den Verantwortungsbereich des Einrichtungsträgers.  

    Was bedeutet Qualitätsmanagement in der Pflege? 

    Wer im Alter aufgrund einer Pflegebedürftigkeit nicht mehr im gewohnten Umfeld bleiben kann und in ein Pflegeheim umzieht, begibt sich in die fachlichen Hände von Pflegekräften. Das Qualitätsmanagement (QM) in der Pflege dient dabei der Verbesserung der sach- und fachgerechten Pflege der Patient*innen und der Bewohner*innen. Die Rahmenbedingungen, Prozessabläufe sowie die Form der Dienstleistungen werden vom Qualitätsmanagement analysiert und optimiert. 

    Wichtige Faktoren sind die effektive Planung von Prozessen oder der effiziente Einsatz von Ressourcen. Die Einrichtung eines Qualitätsmanagementsystems ist in allen Pflegeeinrichtungen gesetzlich verpflichtend und muss gewisse Standards erfüllen. Besonders in der Pflegearbeit stellen Pflegestandards einen entscheidenden Baustein für die Qualitätssicherung dar. Der Pflegestandard definiert den individuellen Handlungsspielraum in der Pflegeeinrichtung, in dem Pflege stattfindet und hilft, Pflege zu bewerten. Sie sind in gewisser Weise die Brücke zwischen theoretischem Standard und praktischem Pflegeprozess, da sie die Kriterien zur Evaluation vorgeben. Das Qualitätsmanagement dient dazu diese Pflegestandards kontinuierlich zu verbessern – und damit die Situation der Pflegebedürftigen.  

    Die Ziele des Qualitätsmanagements in der Pflege  

    Qualität steht in der Pflege im Fokus und dessen Management ist auf folgende Ziele ausgerichtet:  

    • Das QM-System sichert die Einhaltung der festgelegten Qualitätsstandards in der Pflege 
    • Das QM strebt eine kontinuierliche Optimierung an, um Abläufe sicherer zu gestalten
    • Das QM hat das Ziel, alle Strukturen und Prozesse transparent und nachvollziehbar zu gestalten 
    • Ein individuell auf die Pflegeeinrichtung abgestimmtes QM hilft, die Qualität medizinischer, therapeutischer und pflegerischer Leistungen zu erhöhen 

    Der theoretische Standard: Qualitätsdimensionen im Qualitätsmanagement 

    Die Entwicklung eines Qualitätsbewusstseins im Gesundheitswesen ist eng mit dem Medizinprofessor und Qualitätsforscher Avedis Donabedian verbunden. 1966 führte er als erster den Qualitätsbegriff zur Beurteilung von ärztlichen und pflegerischen Leistungen in die Medizin und Pflege wissenschaftlich ein. Donabedian definierte den Qualitätsbegriff differenziert:  

    „Qualität und Gesundheitsversorgung ist das Ausmaß, in dem die tatsächliche Versorgung mit vorausgesetzten Kriterien für gute Versorgung übereinstimmt.“  

    Die medizinische und pflegerische Dienstleistung wird von drei Dimensionen beeinflusst, anhand derer die Qualität im Gesundheitswesen gemessen werden kann: die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Sie bedingen sich gegenseitig und können nicht alleine stehen. 

    Strukturqualität: Warum die Rahmenbedingungen stimmen müssen. 

    Die Strukturqualität bezieht sich auf die organisatorischen, sachlichen und persönlichen Voraussetzungen und beschreibt die Rahmenbedingungen, die für die Pflegeleistung gegeben sein müssen. Strukturqualität umfasst personelle und materielle Ressourcen, die Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen. Diese beziehen sich u.a. auf die technische Ausrüstung, bauliche Einrichtung, die Infrastruktur sowie die Räumlichkeiten und Arbeitsmittel. Darunter fällt auch die Architektur der Einrichtung: Wie ist der Zugang? Die Erreichbarkeit, technische Ausstattung, Messgeräte oder die Existenz eines Fahrstuhls haben Einfluss auf die Strukturqualität. Unter personelle Ressourcen fallen die Kenntnisse, Fähigkeiten, Kompetenzen, Qualifikationen sowie der Aus-, Weiter- und Fortbildungsstand des Pflegepersonals. Zudem erfasst die Strukturqualität auch die organisatorischen und finanziellen Gegebenheiten, wie zum Beispiel Arbeitskonzepte und rechtliche Bestimmungen, unter denen die medizinische Versorgung durchgeführt wird. 

    Prozessqualität: Einen reibungslosen Ablauf ermöglichen. 

    Der Fokus der Prozessqualität liegt auf der Art und Weise wie pflegerische Leistungen erbracht werden. Es geht primär um Richtlinien und Vorgaben: Die Prozessqualität ist ein Nachweis, ob die Arbeit richtig gemacht wird. Sie umfasst alle ärztlichen, pflegerischen und administrativen Tätigkeiten, die direkt oder indirekt am Versorgungsprozess beteiligt sind. Dazu zählen die Durchführung von Beratungen, den Ablauf der medizinischen Versorgung, die Handhabung von Pflegestandards und Vorschriften, das Aufnahmeverfahren, die Betreuungsplanung und -umsetzung. Darunter fallen Pflegeplanung und -dokumentation, wie oft sauber gemacht wird, ob sich die Pflegekräfte regelmäßig austauschen, ob Fehler analysiert werden sowie die Wartezeiten der Patient*innen und der Pflegebedürftigen. 

    Ergebnisqualität: Ein gutes Resultat erzielen.  

    Die Verbesserung des Gesundheitszustandes der Patient*innen, aufgrund des ärztlichen, pflegerischen und administrativen Handelns werden in der Ergebnisqualität festgehalten. Sie wird meist von den Patient*innen bewertet und dient der Überprüfung, wie gut die medizinische und pflegerische Arbeit ist. Wichtige Qualitätsaspekte sind Zufriedenheit und Lebensqualität, ebenso wie der Grad der Zielerreichung und Einhaltung von Zielvereinbarungen – oft als Synonyme für Erfolg. Auch Kriterien wie die Zunahme an wahrgenommenen Ressourcen, zum Beispiel besserer Zusammenarbeit nach innen und außen oder die Senkung der Komplikationsraten können als Kriterien der Ergebnisqualität dienen. 

    Qualitätsdimensionen in der Pflegepraxis 

    Die Qualitätsdimensionen nach Donabedian lassen sich direkt in der Pflegepraxis anwenden. Sie dienen als Ordnungssystem, dem alle Bemühungen sozialer Organisationen um Qualität zu Grunde liegen. Selbst der Gesetzgeber fordert einen Nachweis dieser drei Qualitätskriterien. Die Qualitätsdimensionen geben Auskunft darüber wer welche Aufgabe hat, wie viele Mitarbeiter*innen beteiligt sind, wie das Ergebnis aussehen soll, welche Maßnahmen angewendet werden und welches Wissen vorhanden sein muss. Die Qualitätsdimensionen beeinflussen sich untereinander: Strukturen beeinflussen die Prozesse, die wiederum die Ergebnisqualität mitbestimmen.  

    Mit dem Verständnis von Donabedian wird der Zusammenhang zu den Expertenstandards deutlich. Die Expertenstandards werden von Pflegeexpert*innen erarbeitet und sind im Konsens mit der gesamten Berufsgruppe. Sie dienen als Grundlage für die Ausarbeitung von Pflegestandards.  

    Ein Theoriemodell hinter Qualitätsmanagement zu verstehen heißt, die Dimensionen von Qualität besser zu verstehen. Es hilft ungemein sich die Einflüsse auf Strukturen, Prozesse und Ergebnisse zu verdeutlichen und so den Einfluss auf die Pflegebedürftigen im Blick zu behalten. Qualität ist kein Zufall. Qualität ist vielmehr ein Zusammenspiel aller Dimensionen, die ohne einander nicht funktionieren. In der gesundheitlichen Versorgung ist es selbstverständlich, das eigene Handeln an Standards auszurichten und gleichzeitig kritisch zu hinterfragen. Ein individuell auf die Pflegeeinrichtung und gesundheitliche Versorgung abgestimmtes Qualitätsmanagement hilft dabei, die Qualität medizinischer, therapeutischer und pflegerischer Leistungen zu erhöhen und Abläufe sicherer und effizienter zu gestalten.

    Beispiel: Qualitätsmanagement in der Pflege mit der Lindera Mobilitätsanalyse

    Anhand des Themenkomplexes Sturz lässt sich ein beispielhafter Ansatz für das Qualitätsmanagement in der Pflege mit der Lindera Mobilitätsanalyse aufzeigen. Mit Lindera haben wir den ersten digitalen, evidenzbasierten Ansatz für die Sturzprophylaxe von Pflegebedürftigen entwickelt. Auf Basis einer kurzen Videoaufnahme und eines begleitenden Fragebogens wird mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz der individuelle Sturzgrad erfasst.

    Pflegekräfte und Senior*innen erhalten auf Basis der objektiven Sturzrisikoanalyse individuelle Handlungsempfehlungen zur Therapie und Verbesserung der Mobilität. Die regelmäßige Wiederholung der Mobilitätsanalyse hilft dabei, den Erfolg der Maßnahmen zu kontrollieren und sie bedarfsgerecht zu gestalten. Analyseergebnisse können dabei lückenlos und automatisch in die bestehende Pflegedokumentation übertragen werden.

    Der Vorteil der KI-basierten Anwendung liegt in der einfachen, schnellen, umfangreichen und objektiven Analyse von einer Vielzahl von Sturzrisikofaktoren sowie gezielte Hilfestellung bei der anschließenden Maßnahmenplanung. Pflegekräfte können die Daten kurzerhand Teamintern und mit medizinischen Fachbereichen sowie pflegenden Angehörigen teilen und so im gemeinsamen Schulterschluss die beste Sturzprävention für Senior*innen zu gewährleisten. Die digitale Pflegeanwendung erlaubt Pflegekräften zudem ein selbstbestimmtes Monitoring des Therapieverlaufs und entlastet effektiv bei der dokumentationsaufwendigen Arbeit.

    Lindera ist ein Medizinprodukt Klasse I und DSGVO-konform.

    Mehr lesenswertes zu den Themen Pflege und Sturzprophylaxe erfahren Sie in diesen Artikeln:

    Qualitätsmanagement einer Medizinapp: Irina Saburow stellt die Weichen für KI-basierte Medizintechnik im streng regulierten Gesundheitsmarkt

    Charité-Studie: Lindera-App senkt das Sturzrisiko langfristig

    Was Kunden sagen

    Gerade wenn Menschen älter werden, erhöht sich das Risiko für Stürze. Wir kooperieren in acht Bundesländern, um mit der Lindera SturzApp die komplexen Gangbewegungen zu analysieren und mit Hilfe Künstlicher Intelligenz das individuelle Sturzrisiko der Senior*innen zu ermitteln.

    Andrea Schneider, Leiterin der Pflegekasse bei der KKH

    Mit der Integration der Lindera Mobilitätsanalyse in unsere myneva.heimbas Pflegesoftware ermöglichen wir Pflegekräften, die Analyse einfach und schnell zu dokumentieren und damit ihren Arbeitsalltag zu optimieren.

    Dr. Hartmut Clausen, Geschäftsführer der myneva

    Künstliche Intelligenz im Pflegealltag: Indem wir die Lindera Mobilitätsanalyse in unser System integrieren, öffnen wir unsere Plattform für Innovationen und verankern gleichzeitig eine konkrete Prozessverbesserung in den Einrichtungen.

    Iris Christiansen, Geschäftsführerin DAN Produkte

    Digitalisierung in der Pflege bedeutet die dadurch veränderten analogen Strukturen zwingend mitzudenken, gerade in organisierter stationärer Pflege. Bei der Evaluation des Lindera-Mobilitätsmanagements in stationären Pflegeeinrichtungen gilt es daher den „dyadischen“ Nutzen für Pflegende und Gepflegte in den Blick zu nehmen. Unsere Erwartung ist hier, pflegerischen Nutzen nachhaltig nachweisen zu können.

    Prof. Dr. habil. Jürgen Zerth, Institutsleitung Forschungsinstitut IDC

    Die Partnerschaft mit Lindera ist für uns ein Meilenstein auf dem Weg, den Pflegebedürftigen eine moderne, digitale Versorgung zu bieten. Mit Lindera gewinnen wir einen echten Vorsprung durch Technik für die mit uns kooperierenden Einrichtungen, Pflegekräfte und natürlich die Senior*innen.

    Dirk Lauenstein, Vorstand der Audi BKK

    Die KNAPPSCHAFT und Lindera bieten mit der SturzApp eine Möglichkeit, Sturzprävention auf der Basis neuer Technologien und Erkenntnisse zu ermöglichen. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um Mobilität und Lebensqualität unserer Versicherten zu erhalten oder zu verbessern.

    Bettina am Orde, Geschäftsführerin der KNAPPSCHAFT

    Wir sehen in Lindera einen innovativen Projektpartner mit dem wir einen gemeinsam Weg zur weiteren Digitalisierung für unsere Kunden gehen wollen.

    Dana Kadach, AOK Nordost – Die Gesundheitskasse, Pflege-Vertragsmanagement stationär

    Selbstbestimmung ist ein hohes Gut. Niemand ist gern abhängig. Und niemand möchte im Alter den eigenen Kindern zur Last fallen. Die Digitalisierung bietet uns die Chance, mit neuen Technologien und hoher Flexibilität unsere Selbstbestimmung länger zu erhalten. Die Perspektive muss sein, länger zu Hause leben zu können und sich dennoch sicher zu fühlen.

    Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, MdB

    Mit Lindera haben wir einen starken Partner an unserer Seite auf dem Weg in die digitale Pflege. Die Einführung der Lindera Mobilitätsanalyse erhöht die Service-Qualität für unsere Bewohnerinnen und Bewohner und erleichtert den Alltag unseres Pflegepersonals.

    Sascha Saßen, Leiter für Qualität und Ethik bei KORIAN Deutschland

    Die Maßnahmenplanung muss von der Bedarfsanalyse des Bewohners abgeleitet sein – das kann mit digitaler Unterstützung geschehen. Sie muss vor allem individuell, qualitätsgesichert und gemäß Expertenstandard aktuell sein.

    Kerstin Steinke, Leiterin Geschäftsbereich Pflege MDK Sachsen-Anhalt e.V.

    Wir erhoffen uns von Lindera ein validiertes und technisch unterstütztes Assessmentverfahren, welches in der Praxis von Senioren, Angehörigen und Pflegekräften einfach angewendet werden kann. Durch eine wissenschaftliche Begleitung der App soll dies gelingen

    Dr. Anika Heimann-Steinert, Charité Universitätsmedizin Berlin

    In der stärkeren Kooperation mit Social Entrepreneurs sehen wir als Caritas ein großes Potenzial, um gemeinsam die Herausforderungen im Sozial- und Gesundheitsbereich zu schultern und soziale Innovationen zu verbreiten. Unsere Zusammenarbeit mit der Lindera GmbH mit ihrer innovativen Mobilitätsanalyse ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.

    Sebastian Koppers, Geschäftsführer Caritas Münster