Kontakt

Wie lebt es sich im Alter im Ausland: Die Niederlande – Lang Leve Thuis

25. April 2016 von Barbara Stutzke

Unbestritten ist, dass Menschen jenseits des Arbeitslebens zunehmend älter werden.  Frauen in Europa werden durchschnittlich 82,4 und Männer 76,4 Jahre alt. Fest steht auch, dass die Zahl der Ein-Personen-Haushalte zunehmen, der Anteil multimorbider Menschen steigen wird, wie auch die Anzahl derer mit Migrationshintergrund. Für den Wohnungsmarkt bedeutet das, dass einschneidende Veränderungen in den nächsten Jahren auf die Bevölkerung zukommen. Ältere Menschen möchten in ihrer vertrauten Wohnung bleiben, möglichst selbstbestimmt leben, auch wenn sie Hilfe oder Pflege benötigen. Gerade auch durch gesundheitliche Einschränkungen sind Senioren häufig auf ihr direktes Umfeld reduziert und verbringen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden. Die Frage ist dann: Sind Wohnung oder Haus alterstauglich, was Lage und Ausstattung angeht? Zahlen aus dem Jahr 2011 belegen, dass alleine in Deutschland kurzfristig 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen fehlen, mittelfristig sind es sogar drei Millionen. Das Problem ist erkannt – aber was wird getan? Deutschland hinkt im europäischen Vergleich vielen Ländern hinterher.

Schauen wir einmal hinüber in die Niederlande. Lokale Behörden regeln die Ausgestaltung zu Fragen der Unterkunft und Wohlfahrt. Bereits seit dem Jahr 2002 fördern und forcieren die Kommunen das Ziel der vitalen Lebensgemeinschaften, was eine bestimmte, konkrete Zugehörigkeit zu einem Wohngebiet (Quartierskonzept) beinhaltet. 2007 wurde die gesetzliche Voraussetzung zur Umsetzung dieser Idee geschaffen. Für die Kommunen ist es nun verpflichtend, nach dem niederländischen Sozialgesetzbuch (WMO Wet Maatscheappelijke Ondersteuning) umfassend ältere und behinderte Menschen zu beraten. Sie übernehmen eine aktive Rolle wenn es um Hilfestellungen geht, beginnend bei öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zur Unterstützung im Haushalt, Wohnungsanpassung, Fahrdienste für Mobilitätseingeschränkte Menschen, um nur einige Leistungen aufzuzählen. Bereits seit den 70iger Jahren setzt unser kleines Nachbarland auf den Ausbau des betreuten Wohnens (Wonen in een beschermde omgeving). Pro Betreuungsstützpunkt (heute: Quartierskonzept) müssen mindestens zehn barrierefreie Wohnungen mit einem Versorgungs- und Betreuungsstützpunkt in maximal 250 Metern Entfernung geplant, gebaut und unterhalten werden. Langfristig sollen so Pflegeheime überflüssig werden. Die Kosten für Haushaltshilfe und häusliche Krankenpflege werden zu maximal 85 % von der Sozialversicherung getragen, der restliche Betrag muss privat aufgebracht werden. 200 solcher integrierter Versorgungsgebiete existieren bereits. Ziel ist es, in der Zukunft diese Versorgungskonzepte in normale Wohnviertel zu integrieren, um die Selbsthilfe der Bürger zu stärken und insgesamt die Lebensqualität zu verbessern (www.sev.nl und www.gewoongemak.nl ).

Bildquelle: Shutterstock

Lindera. ACCEPT NO LIMITS.

Wie wir gestalten