Die zwei Seiten der Medaille: Das Pflegeorakel

Deutschland ist nicht untätig in der Pflege, ob ambulant oder stationär. Wir haben:

  • Die Charta für Rechte für Hilfs- und Pflegebedürftige Menschen
  • Ratgeber en masse,
  • die Erhebungen von Verbänden, Versicherungen und Stiftungen,
  • die Menetekel durch Staat und Gesellschaft,
  • unterschiedliche Rechtsgrundlagen ohne Ende, wie das SGB V , VII, XI und XII

um nur eine kleine Auswahl zu treffen. Endlose Erhebungen, Beschreibungen, Empfehlungen und Ansichten.

Fakt ist: Alle haben Angst: Angst vor dem eigenen Alter, auch wenn gut vorgesorgt wurde.  Angst vor der Abhängigkeit von anderen, selbst Angst vor der Abhängigkeit von eigenen Familienangehörigen. Alles das ist der älteren Generation nicht fremd. Woher kommt diese „German Angst“? Ist sie begründet?

Vieles in der Pflege weiß man vom Hören-und-Sagen. Aus Berichten von Freunden, Verwandten und Bekannten. Immer verbunden mit der stillen Hoffnung: Hoffentlich trifft es mich und meine Familie nicht. Aber leider, leider: Wir sind verantwortlich für die, die uns auf die Welt gebracht, uns das Gehen, Denken und Leben beigebracht haben. Wir alle sind angreifbar durch das Alter oder durch Umstände, die uns in die Pflege zwingen. Keiner geht freiwillig diesen Weg. Wir haben uns das nicht ausgesucht. Wir zählen darauf, dass es bei uns anders laufen wird und wissen doch insgeheim, dass wir in dieselbe Tretmühle der Pflege geraten werden, wie unsere Großeltern und Eltern.

Pflegebedürftige haben keine Lobby. Es liegt an uns, diesen anderen, unbekannten, durch nichts gestützten Weg zu gehen.

Wir sind die, die noch Wege bis ans Ende denken müssen, ob man will oder nicht.

Wir sind die, die Verantwortung tragen, auch für Eltern und Großeltern, Verwandte und Freunde, ob man will oder nicht.

Wir sind die, die Pflegegesetze und Verordnungen umsetzen und zu Ende bringen müssen, ob man will oder nicht.

Wir sind die, die diesen Veränderungswillen tragen. Die sich nicht zufrieden geben mit der Erkenntnis, dass man selbst einmal in die Pflege rutschen wird, ein Damoklesschwert der Ohnmacht vor dem Unvermeidlichen, ob man will oder nicht!

Es sei denn: Wir einigen uns frühzeitig auf das sozialverträgliche Frühableben, das Unwort aus dem Jahr 1998. Heute schreiben wir das Jahr 2016. Nach 18! Jahren hat sich nichts geändert, sondern eher verschärft. Es sei denn, wir ändern es, ohne Unterscheidung ob wir betroffen sind oder nicht.

Pflege trifft uns alle – früher oder später.