Age Diversity: Ageism – Stereotypisierung in einer alternden Gesellschaft

Bereits in den letzten Jahren des Berufslebens beginnt ein voranschreitender Prozess. Die Wertschätzung der Arbeitsleistung, mithin auch der Lebensleistung durch Kollegen, Vorgesetzte und Familienmitglieder lässt nach. Beruflich und privat wird öfter darauf hingewiesen, dass man kurz vor der Rente stehe. Die Erwartungshaltung an die Leistungserbringung fällt meist entsprechend geringer aus.

Diskriminierung wird heute fast ausschließlich mit dem Wort Migrant assoziiert. Dabei hat eine Studie 2007, nach Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes AGG, ergeben, dass das Merkmal Alter mit 37 Prozent, Geschlecht mit 28 Prozent, Behinderung mit 18 Prozent und ethnische Herkunft mit 11 Prozent bewertet wurde (Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, 2007).

Die Ausgrenzungsproblematik älterer und alter Menschen aus dem „normalen“ gesellschaftlichen Leben ist kein neues Thema. Wer erinnert sich noch an Trude Unruh (91), als sie sich Mitte der 80 Jahre mit den „Grauen Panther“ für Alte stark machte. Politisch höchst prätentiös erstritt sie einen besseren Umgang miteinander.

Wo beginnt also Diskriminierung im Alter? Tatsächlich mit den letzten Arbeitsjahren, eventuell lange vor der Pflegebedürftigkeit und sicherlich mit dem Sprachgebrauch. Aus Kanada kommt ein Wortspiel, das nun auch in Deutschland auftaucht: die Senioren-Krippe. Alte, pflegebedürftige Menschen werden in der Senioren-Krippe abgegeben wie kleine Kinder. Gegründet wurde die Senioren-Krippe vom größten Anbieter für Kindertagesstätten in Kanada, Kids and Company. Dort wird die Senioren-Krippe als innovatives, gesellschaftliches Modell vermarktet. Das stimmt mich nachdenklich.

Dieses Betreuungsmodell Senioren-Krippe zu nennen gehört für mich zur sprachlichen Entgleisung und Diskriminierung im Alter. Sensibilität im Umgang mit älteren bzw. alten Menschen und dem Sprachgebrauch gehören leider noch zusammen.