Der Brexit-Fluch: Wenn die Jungen die Alten abhängen

Mit dem Brexit zieht sich wieder ein tiefer Graben durch den Kanal, den wir längst geglaubt haben, überwunden zu haben. Ein anderer Graben verläuft zwischen den Generationen. 59 Prozent der Über-65 Jährigen haben für den Austritt, 66 Prozent junge Britten (18 bis 24 Jahren) haben für den Verbleib gestimmt. Nur sind erstere mehr wählen gegangen. Auf dem Weg in unsere alternde Gesellschaft ist das mehr als ein heftiger Warnschuss. Eher ein Ausdruck einer tiefen Verunsicherung. Jung und Alt vertrauen sich nicht durchgängig. Und das liegt nicht nur an dem großen Apparat in Brüssel. Woran also noch?

Eine Antwort liegt in der Digitalisierung. Denn was hat sie uns zwischenmenschlich in den letzten drei Jahrzehnten gebracht?

In den 90er Jahren haben wir gelernt, Daten in Computer einzugeben. Seit der Jahrtausendwende, wissen wir, dass das auch mit einem kleinen tragbaren Telefon funktioniert. Das Resultat: Wer gute Augen hatte und am Anfang seiner beruflichen Laufbahn stand, konnte mitmachen. Die schwarzgrauen Oberflächen vor den großen Bildschirmen haben das Schreiben von Serienbriefen einfacher gemacht, aber auch Generationen voneinander getrennt. Auch wenn die ersten dazu übergehen, Technik mit unseren Sinnesorganen zu steuern, hat sich kulturell ein anderes Bild etabliert:

Die einen können als Teil der Wertschöpfungskette all die Geräte und Programm handhaben . Die anderen sind scheinbar abgehängt. Wenn sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen nicht in die Systeme einbringen können, sind sie nicht wirklich Teil davon. Ich behaupte, unsere vermeintlich Alten sind immer weniger die Mentoren der nächsten und übernächsten Generation. Nur wer möchte im Alter so abgehängt wahrgenommen werden?

Für mich liegt ein Teil der Antwort in technologischen Lösungen selbst. Was halten wir uns in der Pflege mit Papierprotokollen auf, wenn wir alles – außer der Zeit mit dem Menschen – technologisch lösen können? Warum bringen wir Smartphones mit WhatsApp und Tablets zum Skypen nicht so in die Großfamilie ein, dass alle am Auslandsemesters des Nachwuchses in Norwegen mit Gesprächen und Bildern teilhaben können? Warum nutzen wir Technologie nicht dazu, zu zuhören und gezielt nach den Erfahrungen der Älteren zu fragen?