„Männer weinen heimlich“ – gilt das auch in der Pflege?

Wer sich ein Bild von der Pflege macht, der sieht gemeinhin eine Pflegerin vor sich. In deutschen Pflegediensten und -heimen sind vor allem Frauen im weißen Kittel unterwegs. Doch in den eigenen vier Wänden ist das Bild nicht mehr ganz so klar:

Während (Männer) Anfang der 90er-Jahre mit nur 17 Prozent an der Pflege beteiligt waren, sind es heute bereits gut 30 Prozent.“ – Dr. Kristina Schröder,
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend a.D.

 

Wenn diese Zahlen stimmen und die Tendenz steigend ist, so behaupte ich, dass sich die Hilfs- und Entlastungsangebote an Männer nicht wirklich mitentwickelt haben. Sicherlich stehen Pflegegelder und -zuschüsse allen Angehörigen gleichermaßen zu. Nur die Elternzeit hat mittlerweile auch Väter eingeholt. Rund jeder Dritter nimmt sie in Anspruch. In allen Gesprächen und Interviews, die ich geführt habe, ist mir noch kein männlicher Kandidat für die Pflegezeit untergekommen. Es wird sie sicher geben. Nur behaupte ich, dass Männer so wenig über Pflege sprechen und ihr Engagement offenlegen wie sich Frauen über ihre Altersvorsorge austauschen.

Warum ist das so? Oder doch nur ein Klischee? Dass Pflege kein Thema mit Sexappeal ist, wissen wir. Ist es ein ganz unverkrampftes Pflegen und Schweigen unter Männern? Haben sie einfach keine Fragen? Oder darf sich ein Superman, nur im ganz Privaten mit Pflege outen? Gilt immer noch die alte Zeile von Herbert Grönemeyer:

Männer geben Geborgenheit. Männer weinen heimlich.

 

Jedenfalls hat sich Dr. Kristina Schröder dem Thema zur ihrer Zeit im Familienministerium angenommen und einige Porträts ans Licht gebracht. Viel mehr als eine Broschüre ist nicht wirklich daraus geworden.

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