BMC Brown Bag Tour im Silicon Valley: Wie sieht das Gesundheitssystem der Zukunft aus?

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit mit dem Bundesverband Managed Care ins Silicon Valley zu reisen. Auf der Brown Bag Tour, einem Format entwickelt von Dr. Patricia Ex, warfen wir einen Blick hinter die Kulissen des amerikanischen Gesundheitssystems. Mit Vertreten der AOK Hessen, der Techniker Krankenkasse, von Philips, der Ärztekammer, Ärztezentren und aus der Forschung haben wir einen Einblick in die Arbeit großer Health Care Institutionen und renommierter Universitäten erhalten – und untereinander viel zum Systemvergleich diskutiert.

Amerika gehört ohne Zweifel zu den mächtigsten und reichsten Ländern der Welt. Doch gleichzeitig mangelt es dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten an einer umfassenden, flächendeckenden Gesundheitsversorgung. Immer wieder gab und gibt es verschiedene Initiativen, die sich dieses Problems annehmen sollen: Die umfassendste ist sicherlich der 2010 in Kraft getretene Patient Protection and Affordable Care Act – bekannt als Obamacare– mit dem die Versicherungspflicht für die meisten Amerikaner eingeführt wurde. Politische Einigkeit über die Sinnhaftigkeit dieser Versicherung herrscht dennoch nicht: US-Präsident Trump und andere Vertreter der republikanischen Partei versuchen, Obamacare mit eigenen Gesetzen Stück für Stück zurückzudrehen. Aktuell sind noch immer 12 Prozent der erwachsenen Amerikaner nicht versichert – und das trotz einer starken Wirtschaft und rückläufigen Arbeitslosenquoten.

Wie sieht die (digitale) Zukunft des Gesundheitssystems aus?

Der Aufbau eines stabilen, nachhaltigen und flächendeckenden Gesundheitssystems ist natürlich nicht nur eine politische Herausforderung, sondern in Gänze ein sehr komplexes Unterfangen – in den USA genauso wie hierzulande. Doch wie können wir die bestehenden Probleme lösen und gleichzeitig ein innovatives Gesundheitssystem von morgen schaffen? Ein Teil der Lösung sind aus meiner Sicht frische Denkweisen, technologische Innovationen und neue, skalierbare Geschäftsmodelle – wenn sie denn ein konkretes Problem bezahlbar lösen. So hat in den USA der Arzt eine andere Rolle. Er ist ein starker Teil der Lösung, aber eben nicht der einzige Lösungsansatz zu einer guten Versorgung. Ist der Arzt als Dienstleister der Patienten mit transparenten Qualitätsindikatoren ein Modell der Zukunft?

Nicht nur aus diesem Grund war die Brown Bag Tour sehr spannend: Wie arbeiten Akteure im amerikanischen Gesundheitssektor, wie denken sie ambulante, stationäre Betreuung vor Ort kombiniert mit digitalen Diensten effektiv zusammen? Woran forschen große Universitäten und was können wir auf unsere Arbeit in Deutschland übertragen? Meine Eindrücke möchte ich gern teilen:

  1.  Speerspitze in Wissenschaft und Technologie: Es mangelt an Geschäftsmodellen. In San Francisco konnte ich selbst erfahren, wie Managed Care-Ansätze in der Gesundheitsversorgung in den USA aussehen und an welchen Innovationen Firmen wie Apple und Google im Health Sector arbeiten. Besonders spannend war für mich unser Besuch an der Stanford University: Technologisch, so die Kernbotschaft, sind uns im Grunde keine Grenzen für Innovationen gesetzt und vieles ist bereits heute möglich. Aktuell fehlt es vor allem noch an den geeigneten Geschäftsmodellen, um diese Entwicklungen zum Wohl der Patienten umfassend und finanzierbar einzusetzen.
  2. Mobile Lösungen heben Prävention und Versorgung auf ein neues Level: Die Kaiser Family Foundation, die Stiftung von Kaiser Permanente, einer der größten Krankenkassen der USA, arbeitet intensiv am Thema „Integrierte Versorgung“. Dabei setzen sie stark auf eine Kombination aus Prävention und mobilen Lösungen, die überall – nicht nur in der Klinik – funktionieren. Aktuell ist es für eine Analyse der Sturzrisken aber noch nötig, die Versicherten im Ganglabor im Krankenhaus zu untersuchen. Kaiser legt sehr viel Wert auf die präzise Analyse, wobei es gleichzeitig auch dringend nötig ist, die Kosten und Zugangsbarrieren zu senken. Hier zeigt sich, welches Potential der Einsatz von Technologien wie künstlicher Intelligenz wie in unserer Lindera Mobilitätsanalyse hat – Synergien, die wir unbedingt nutzen sollten.
  3. Vernetzung: Die Vernetzung mit anderen Akteuren, national wie international ist in jeder Branche wichtig. Doch gerade im Gesundheitssektor haben viele Akteure vorrangig das nationale Bild der Branche im Kopf. Dabei stehen wir weltweit vor ähnlichen Herausforderungen: Wir werden immer älter. Das ist grundsätzlich eine sehr tolle Entwicklung Doch wir müssen uns auch die Frage stellen, wie wir älter werden wollen. Umso wichtiger sind Plattformen wie die Brown Bag Tour, um Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Vielen Dank noch einmal an den Bundesverband Managed Care! Es war mir ein Fest.

Wart ihr auch schon mal im Silicon Valley, in den Hallen von Tech-Giganten wie Apple oder Google? Welche Eindrücke habt ihr dabei gewonnen? Wie sieht aus eurer Sicht das Gesundheitssystem der Zukunft aus? Ich freue mich sehr über Diskussion und Austausch dazu – entweder direkt hier in den Kommentaren oder einfach auf Twitter.