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    New Work in der Pflege – Was ist das eigentlich?

    04. Juli 2022 von Alissa Dovgucic

    Deshalb wird New Work (Neues Arbeiten) in der Pflege immer wichtiger: 2021 zählte Deutschland 4,6 Millionen Pflegebedürftige in der ambulanten und stationären Pflege – Tendenz angesichts des demografischen Wandels steigend. Schon heute fehlen uns rund 376.000 Pflegekräfte.

    Der Fachkräftemangel macht deutlich, dass wir in der Altenpflege umdenken müssen, um Nachwuchskräfte zu gewinnen und qualifiziertes Personal zu halten. Genau deshalb ist es wichtig, dass wir über die bestehenden Arbeitsstrukturen nachdenken, um einen attraktiven Arbeitsplatz mit Perspektive zu schaffen. Abseits von flexiblen Arbeitszeiten hält New Work vielversprechende Maßnahmen bereit, um die Arbeitsbedingungen wieder auf die Bedürfnisse von Pflegenden auszurichten und Raum für Potenzialentfaltung zu schaffen.

    Wie New Work in der Pflege Anwendung findet, haben wir hier für euch zusammengefasst. 

    Das Image der Pflege hat sich in den letzten 10 Jahren zum Negativen verändert. Pflegekräfte sehen sich mit wirtschaftlichen Fragen konfrontiert und müssen immer häufiger Berufsethik mit ökonomischen Zielen vereinbaren. Pflegerische Leistungen müssen abgearbeitet werden, und dass aufgrund des Zeit- und Personalmangels so effizient wie möglich. Die wirtschaftlich orientierte Führung und die gestiegene Arbeitsbelastung machen das Berufsbild der Pflege unattraktiv. Gleichzeitig passiert in puncto Weiterentwicklung des Pflegebilds wenig bis gar nichts – viele Arbeitsstrukturen sind starr und lange überholt und es fehlt eine Perspektive für die Zukunft der Pflege. Das sorgt für Frust und Antriebslosigkeit bei Pflegekräften.  

    Was fehlt, sind Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden. Genau hier setzt das Konzept von New Work an: es bietet mehr Entfaltungsmöglichkeiten, aber auch mehr Verantwortung, die das Berufsbild und die Karriere in der Pflege deutlich abwechslungs- und aussichtsreicher gestalten. 

    Neues Arbeiten: Was ist New Work überhaupt?  

    Per Definition ist New Work „ein Denkansatz und eine Bewegung zugleich. Ziel ist ein Wandel des Verständnisses und der Ausgestaltung von Arbeit in der Praxis“ (Hackl, B., Wagner, M., Attmer, L. & Baumann, D., 2017). 

    Während das klassische Arbeitskonzept durch hierarchisch organisierte Strukturen und starre Prozesse geprägt ist, stellen wir uns beim New Work-Ansatz neue Fragen:  

    • Wie muss ich meine Arbeit gestalten, damit sie mich erfüllt?  
    • Wie möchte ich zukünftig arbeiten, mich selbstbestimmt einbringen?  
    • Worin liegt überhaupt das individuelle Potential jedes Einzelnen?

    New Work setzt dabei an vielen Stellen des bisherigen Arbeitsalltages an und kratzt an „So haben wir das schon immer gemacht“-Strukturen. Das ist für viele beängstigend. Doch Studien über diverse Branchen hinweg überzeugen: Sie belegen, dass die Wertschätzung der Arbeit, die übertragene Verantwortung, Arbeitsergebnisse, Karrieremöglichkeiten und die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten über Wissens- und Kompetenzaufbau wesentlich zu mehr Zufriedenheit beitragen. 

    Und genau darum geht es: New Work stellt eine hohe Arbeitsmotivation in den Mittelpunkt. Dafür sorgen diverse Faktoren, zu denen gute Arbeitsbedingungen, Vergütung, ein gutes Verhältnis zur Führungskraft und eine faire Unternehmenskultur gehören.  

    New Work in der Pflege? Liebe Pflegeleitungen: So geht’s! 

    Pflegekräfte haben ihren Beruf der persönlichen Erfüllung wegen gewählt. Sie wollen Menschen helfen, einen Sinn stiften. Daher ist es wesentlich, die Arbeitsstrukturen innerhalb einer Pflegeeinrichtung so zu organisieren, dass eine erfüllende und attraktive Arbeit zurück in den Mittelpunkt rückt. Für eine engagierte Gestaltung der pflegerischen Aufgaben im Sinne von Neuem Arbeiten braucht es Freiräume für die Pflegekräfte, sich mit Handlungsvorschlägen einzubringen und kreativ zu sein. Die Pflegeleitung hat dabei die Aufgabe, ein vertrauensvolles und inspirierendes Arbeitsumfeld zu schaffen. Dazu gehört: viel offene Kommunikation. Das Einbinden der Pflegekräfte in Entscheidungsprozesse schafft Transparenz, das Übertragen von Handlungsfreiheit und Eigenverantwortung und bietet ihnen die Möglichkeit Arbeitsabläufe mitzugestalten.  

    Wertschätzung der Pflegekräfte durch Vertrauen, einen neuen Arbeitsstil und flache Hierarchien 

    Flache Hierarchien und interdisziplinäres Zusammenarbeiten auf Augenhöhe tragen dazu bei, Dienstwege zu verkürzen und ermöglichen einen direkten Austausch zwischen Mitarbeitenden und Kolleg*innen aus anderen Fachbereichen. Fragen können schneller geklärt werden und ein auf die Bedürfnisse von Senior*innen abgestimmtes, flexibleres Arbeiten steht im Vordergrund. Feedback-Gespräche, bei der sich Pflegeleitung und Pflegekräfte offen austauschen, bilden zusammen mit gegenseitigem Vertrauen und der Möglichkeit individueller Weiterbildungsmöglichkeiten die Basis für ein attraktives Arbeitsumfeld, in dem Wertschätzung gelebt wird. 

    Co-Kreation beschreibt dabei einen Arbeitsansatz, Mitarbeitende zu befähigen, Lösungen selbstständig im Team zu erarbeiten – ohne Vorgabe oder Einwirken durch einer Pflegeleitung. Die Führungskraft tritt bei der Selbstorganisation in den Hintergrund. Sie schafft lediglich die Rahmenbedingungen für selbstbestimmtes, angenehmes Arbeiten. Teilautonome Teams – beispielsweise innerhalb der einzelnen Schichten – organisieren sich und die täglich anfallen pflegerischen Aufgaben selbst. Im Ergebnis stehen eine höhere Zufriedenheit, mehr Einfluss und mehr Arbeitserfolge. 

    Digitalisierung und neue Technologien rücken Betreuungszeit zurück in den Fokus 

    Arbeitsabläufe, die früher mit viel Aufwand verbunden waren, laufen dank digitaler Innovationen nun mit wenigen Klicks. Standortübergreifende Zusammenarbeiten sind kein Problem mehr, Wissensteilung und Vernetzung gewinnen immer mehr an Bedeutung. In der Pflege tragen neue Technologien und digitale Pflegeanwendungen dazu bei, administrative Arbeiten zu entlasten und die Qualität der Versorgung hochzuhalten – und zu verbessern. Indem intelligente Lösungen bei der Mobilisierung und Versorgung von Pflegebedürftigen helfen, Therapiemaßnahmen unterstützen und automatisch in die Pflegedokumentation übertragen, schaffen sie mehr Zeit für die pflegerische Betreuung. Das zahlt auf ein erleichtertes Arbeiten ein und bringt Spaß. Am Ende profitieren Pflegende wie Gepflegte – unabhängig von Schicht, Fachbereich und ambulanter oder stationärer Einrichtung – von einem entlasteten, entschleunigten und erfüllten Arbeitsumfeld. Lindera verhilft in der Pflegebranche schon jetzt zu mehr Selbstbestimmung sowie einer höheren Pflegequalität. Hören Sie dazu unser Expertenpanel auf YouTube.

    New Work in den Niederlanden nach dem Prinzip der Nachbarschaft: Buurtzorg  

    Das wohl bekannteste Beispiel von New Work in der Pflege ist das niederländische Unternehmen Buurtzorg (zu Deutsch: Nachbarschaft). Unter dem Leitsatz „Menschlichkeit vor Bürokratie“ liefert Buurtzorg einen völlig neuen Ansatz, wie wir Pflege in einer stark alternden Gesellschaft effektiv und menschlich organisieren können.  

    Bei Buurtzorg arbeiten die Pflegekräfte in kleinen hierarchiefreien Teams von 4 bis 12 Personen und organisieren sich innerhalb dieser Teams selbstständig. Sie entscheiden selbstständig über Dienstplan, Budget und Maßnahmen. Idealerweise kommen die Teammitglieder aus der gleichen Nachbarschaft und kümmern sich um die pflegebedürftigen „Nachbar*innen“. Dadurch entsteht mehr Verantwortung, aber auch der Raum für die autonome und individuelle Organisation der Einsätze. Im Mittelpunkt stehen die Pflegebedürftigen und eine Pflegeperson als Bezugsperson. Dadurch entsteht eine starke Bindung zwischen Pflegenden und Gepflegten und eine individuelle Pflegesituation, die ganz auf die Bedürfnisse des*der Patient*in angepasst ist. Den Pflegekräften steht frei, wie sie die Pflegeleistungen organisieren. Sie können die Leistungen selbst erbringen oder das soziale Umfeld oder Ehepartner*innen anlernen. Diese Freiheit entsteht dadurch, dass die Pflegekräfte nicht nach Leistungen, sondern nach Stunden abrechnen. 

    Bei den Pflegenden als auch bei den Pflegebedürftigen trifft diese Form der Arbeit auf große Zustimmung. Dennoch gibt es auch Pflegekräfte, die sich nicht von Beginn an mit diesem neuen Arbeitskonzept und den neuen Freiheiten zurechtfinden. Und das ist ganz normal – es ist wichtig, eine gute Begleitung zu gewährleisten, Schulungen anzubieten, offen zu kommunizieren und ein offenes Ohr für Mitarbeitende zu haben. 

    Verantwortung, Selbstorganisation und Akzeptanz für Neues Arbeiten entwickeln sich erst und das geht nur, wenn der Raum für das Ausprobieren gegeben ist. 

    Quellen und weiterführende Informationen:  

    Bundesagentur für Arbeit (2022) „Arbeitsmarktsituation im Pflegebereich“, Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt Mai 2022

    Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW (2022) New Work in der Pflege

    Change – das Magazin der Bertelsmann Stiftung (2020) „Die New-Work-Innovation in der Pflege: Buurtzorg“

    Tagesthemen (2019), „Wie kann Pflege persönlicher werden“

    Hentl-Merget, Judith (2020) „Vertrauen statt Kontrolle“, CNE Pflegemanagement, Ausgabe 01/2020, Seiten 4-6

    Buurtzorg Niederlanden Homepage: Buurtzorg Nederland 

    Hackl, B., Wagner, M., Attmer, L. & Baumann, D. (2017) New Work: Auf dem Weg zur neuen Arbeitswelt: Management-Impulse, Praxisbeispiele, Studien“ Springer-Verlag. 

    Was Kunden sagen

    Gerade wenn Menschen älter werden, erhöht sich das Risiko für Stürze. Wir kooperieren in acht Bundesländern, um mit der Lindera SturzApp die komplexen Gangbewegungen zu analysieren und mit Hilfe Künstlicher Intelligenz das individuelle Sturzrisiko der Senior*innen zu ermitteln.

    Andrea Schneider, Leiterin der Pflegekasse bei der KKH

    Mit der Integration der Lindera Mobilitätsanalyse in unsere myneva.heimbas Pflegesoftware ermöglichen wir Pflegekräften, die Analyse einfach und schnell zu dokumentieren und damit ihren Arbeitsalltag zu optimieren.

    Dr. Hartmut Clausen, Geschäftsführer der myneva

    Künstliche Intelligenz im Pflegealltag: Indem wir die Lindera Mobilitätsanalyse in unser System integrieren, öffnen wir unsere Plattform für Innovationen und verankern gleichzeitig eine konkrete Prozessverbesserung in den Einrichtungen.

    Iris Christiansen, Geschäftsführerin DAN Produkte

    Digitalisierung in der Pflege bedeutet die dadurch veränderten analogen Strukturen zwingend mitzudenken, gerade in organisierter stationärer Pflege. Bei der Evaluation des Lindera-Mobilitätsmanagements in stationären Pflegeeinrichtungen gilt es daher den „dyadischen“ Nutzen für Pflegende und Gepflegte in den Blick zu nehmen. Unsere Erwartung ist hier, pflegerischen Nutzen nachhaltig nachweisen zu können.

    Prof. Dr. habil. Jürgen Zerth, Institutsleitung Forschungsinstitut IDC

    Die Partnerschaft mit Lindera ist für uns ein Meilenstein auf dem Weg, den Pflegebedürftigen eine moderne, digitale Versorgung zu bieten. Mit Lindera gewinnen wir einen echten Vorsprung durch Technik für die mit uns kooperierenden Einrichtungen, Pflegekräfte und natürlich die Senior*innen.

    Dirk Lauenstein, Vorstand der Audi BKK

    Die KNAPPSCHAFT und Lindera bieten mit der SturzApp eine Möglichkeit, Sturzprävention auf der Basis neuer Technologien und Erkenntnisse zu ermöglichen. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um Mobilität und Lebensqualität unserer Versicherten zu erhalten oder zu verbessern.

    Bettina am Orde, Geschäftsführerin der KNAPPSCHAFT

    Wir sehen in Lindera einen innovativen Projektpartner mit dem wir einen gemeinsam Weg zur weiteren Digitalisierung für unsere Kunden gehen wollen.

    Dana Kadach, AOK Nordost – Die Gesundheitskasse, Pflege-Vertragsmanagement stationär

    Selbstbestimmung ist ein hohes Gut. Niemand ist gern abhängig. Und niemand möchte im Alter den eigenen Kindern zur Last fallen. Die Digitalisierung bietet uns die Chance, mit neuen Technologien und hoher Flexibilität unsere Selbstbestimmung länger zu erhalten. Die Perspektive muss sein, länger zu Hause leben zu können und sich dennoch sicher zu fühlen.

    Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, MdB

    Mit Lindera haben wir einen starken Partner an unserer Seite auf dem Weg in die digitale Pflege. Die Einführung der Lindera Mobilitätsanalyse erhöht die Service-Qualität für unsere Bewohnerinnen und Bewohner und erleichtert den Alltag unseres Pflegepersonals.

    Sascha Saßen, Leiter für Qualität und Ethik bei KORIAN Deutschland

    Die Maßnahmenplanung muss von der Bedarfsanalyse des Bewohners abgeleitet sein – das kann mit digitaler Unterstützung geschehen. Sie muss vor allem individuell, qualitätsgesichert und gemäß Expertenstandard aktuell sein.

    Kerstin Steinke, Leiterin Geschäftsbereich Pflege MDK Sachsen-Anhalt e.V.

    Wir erhoffen uns von Lindera ein validiertes und technisch unterstütztes Assessmentverfahren, welches in der Praxis von Senioren, Angehörigen und Pflegekräften einfach angewendet werden kann. Durch eine wissenschaftliche Begleitung der App soll dies gelingen

    Dr. Anika Heimann-Steinert, Charité Universitätsmedizin Berlin

    In der stärkeren Kooperation mit Social Entrepreneurs sehen wir als Caritas ein großes Potenzial, um gemeinsam die Herausforderungen im Sozial- und Gesundheitsbereich zu schultern und soziale Innovationen zu verbreiten. Unsere Zusammenarbeit mit der Lindera GmbH mit ihrer innovativen Mobilitätsanalyse ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.

    Sebastian Koppers, Geschäftsführer Caritas Münster