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Den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen

17. Mai 2017 von Maren Berens

Wenn ich an das Thema Altern denke, gilt mein erster Gedanke meinen Eltern, die inzwischen 70 und 63 Jahre alt sind. Beide sind noch relativ fit, beide arbeiten noch. Allerdings machen sich auch schon deutliche Verschlechterungen in ihrer Gesundheit bemerkbar.

Ich denke auch an meine Oma mütterlicherseits, die schon lange tot ist. Ihr letztes Lebensjahr hat sie in einem Altenheim verbracht. Sie ist allein in ihrer Wohnung geblieben, solange es ging. In ihrer Vorstellung war der Umzug in ein Altenheim eine Aufgabe ihrer Freiheit und Eigenständigkeit. Keines Ihrer Kinder konnte oder wollte sie zu sich nehmen. Aus meiner Sicht und meiner Erinnerung hat meine Oma das letzte Jahr im Heim nur noch verlebt, nicht mehr gelebt. Sie hatte kein Interesse neue Leute kennenzulernen, an Aktivitäten teilzunehmen oder sich anderweitig zu engagieren. Aus meiner Sicht ist das auch ein Grund dafür, dass sie verstorben ist. Natürlich gab es körperlich Gebrechen, aber mein Eindruck ist, dass sie aufgegeben hatte.

Vor einiger Zeit haben ich mit meinen Eltern über das Thema Wohnen im Alter gesprochen. Mein Vater spricht dann gerne von einem gemeinsamen Wohnprojekt mit anderen alternden Menschen. Ich finde das eine gute Idee. Mehrgenerationenhäuser und Wohngemeinschaften in einer altersgerechten Umgebung sind sicher eine Möglichkeit, der schrittweisen Veränderung und Einschränkung Rechnung zu tragen, ohne sich selbst aufzugeben oder fremdbestimmt wahrzunehmen. Was früher die Familie an Aufgaben übernommen hat, übernimmt jetzt eine selbstgewählte Gemeinschaft und je nach Bedarf ein Pflegeunternehmen.

Die kritische Frage, die ich mir stelle: Wann will mein Vater bzw. wann wollen meine Eltern diesen Schritt machen? Eine solche Wohnform muss man suchen, wenn man noch fit ist, nicht, wenn man schon nicht mehr kann und darauf angewiesen ist. Das gilt für ein solches Projekt vermutlich noch stärker, aber für andere Wohnformen im Alter. Sicher ist, die meisten von uns werden im Alter auf Hilfe angewiesen sein. Aus meiner Sicht ist es besser, schon vorher eine Wohnform zu wählen, die dieses berücksichtigt, zu einem Zeitpunkt, an dem man noch mobil ist und eine solche Veränderung mitgestalten kann. Die Devise lautet also: Nicht den Zeitpunkt verpassen!

Ich nehme mir vor, mit meinen Eltern zu sprechen. Sie zu ermutigen, sich jetzt Gedanken zu machen. Die andere Frage, die ich mir stelle: Wie sind meine Eltern wohl als Mitbewohner, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Lindera. ACCEPT NO LIMITS.

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